Design-Systeme für Groß-Projekte – das Large Library Model

Lesezeit: ca. 4 Min. | Veröffentlicht am: 25.Feb. 2026 | von: | Kategorien: Design, UI/UX

Illustration zu Large Library Models in Figma
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Das Large Library Model (auch als Modularized oder Multi-Library Approach bekannt) beschreibt eine Strategie für Figma-Design-Systeme, bei der ein System nicht in einer einzigen, riesigen Datei („Monolith“), sondern in mehrere, spezialisierte Bibliotheken aufgeteilt wird. Das schafft Übersicht und reduziert in Kombination mit einer Versionierung in z.B. Figma oder Abstract das Risiko von ungewollten Änderungen.

Kernkonzept der Architektur im Large „Scale“ Library Model

Anstatt alle Komponenten, Stile und Variablen in einer Datei zu bündeln, wird das System übersichtlich in logische Ebenen unterteilt:

  1. Foundations (Primitiven): Eine dedizierte Datei für grundlegende Design Tokens wie Farben, Typografie, Abstände und Variablen. Hier ergibt die Aufsplittung in generische und semantische Tokens Sinn.
  2. Core Components: Eine Bibliothek für universelle UI-Elemente wie Buttons, Inputs und Icons, die auf den Foundations aufbauen. Die meisten von euch kennen vielleicht den Ansatz von Brad Frost mit seinem Atomic Design Prinzip.
  3. Pattern/Domain Libraries: Spezifische Bibliotheken für komplexe Muster oder plattformspezifische Komponenten (z. B. eine eigene Library für Mobile vs. Web oder Consumer und Experten-Frontend)

Vorteile eines Large Library Modells gegenüber dem Monolith-Modell

Das Large Library Model bietet signifikante Vorteile für die Performance und die langfristige Skalierbarkeit Ihres Design-Systems. Hier ist der detaillierte Ausblick auf die Vorteile:
 

1. Überwindung von Performance-Limits

Figma hat ein Speicherlimit von 2 GB pro Datei. Ein monolithisches System mit tausenden Varianten und versteckten Ebenen führt schnell zu Ladeverzögerungen, Abstürzen oder der Unfähigkeit, die Datei überhaupt zu öffnen.
  • WASM-Speicher optimieren: Durch die Aufteilung wird der benötigte WebAssembly (WASM)-Speicher pro Tab reduziert, was die Stabilität massiv erhöht.
  • Schnellerer Workflow: Designer müssen nicht warten, bis ein gesamtes „Mega-System“ geladen ist, wenn sie nur an einem kleinen Modul arbeiten.

2. Gezielte Bereitstellung (Reduced Noise)

Große Teams arbeiten oft an unterschiedlichen Plattformen. Ein „Alles-in-einem“-System überflutet das Assets-Panel mit irrelevanten Komponenten.
  • Kontextbezug: Mobile-Teams abonnieren nur die Mobile UI Library, während Web-Teams die Web UI Library nutzen. Beide greifen im Hintergrund auf dieselbe Foundations Library (Farben/Tokens) zu.
  • Bessere Suche: Die Suche nach Komponenten wird präziser, da die Anzahl der Ergebnisse pro aktivierter Bibliothek sinkt.

3. Effizientes Governance- & Update-Modell

In einem modularen System können Änderungen isoliert getestet und ausgerollt werden, ohne das gesamte Ökosystem zu gefährden.
  • Unabhängige Release-Zyklen: Ein Update der Icons kann veröffentlicht werden, ohne dass gleichzeitig Änderungen an komplexen Tabellen-Komponenten mit ausgerollt werden müssen.
  • Klare Verantwortlichkeiten: Verschiedene Teams können die Verantwortung für einzelne Bibliotheken übernehmen (z. B. ein Team für die Core-Elemente, ein anderes für Marketing-Assets), was die Zusammenarbeit in großen Organisationen vereinfacht.

4. Skalierbarkeit für Multi-Brand-Strategien

Wenn Ihr Unternehmen mehrere Marken (Sub-Brands) führt, ist das Large Library Model fast alternativlos.
  • Variable Layering: Sie können eine zentrale Bibliothek für die Logik (Struktur) pflegen und markenspezifische Bibliotheken über Figma Variables oder themenbasierte Bibliotheken darüberlegen.
  • Zukunftssicherheit: Neue Produkte oder Marken lassen sich einfach als neue Bibliothek „andocken“, ohne die bestehende Architektur umbauen zu müssen.

Herausforderungen in Large Library Umgebungen

Das Large Library Model ist zwar extrem performant, bringt aber eine deutlich höhere architektonische Komplexität mit sich. Hier ist der detaillierte Ausbau der Herausforderungen:
 

1. Komplexe Abhängigkeitsketten (Dependency Management)

Die größte Hürde ist die lineare Abhängigkeit der Dateien. Wenn du eine Farbe in der Foundations-Library änderst, kaskadiert dies durch das gesamte System.
  • Update-Reihenfolge: Du musst Änderungen strikt von unten nach oben „durchpublizieren“ (Foundations → Core Components → Pattern Libraries). Vergisst ein Editor, die Core-Library zu aktualisieren, sehen die Designer in ihren Projektdateien veraltete Stände, obwohl die Foundations bereits neu sind.
  • Ghost-Verknüpfungen: Es besteht die Gefahr, dass versehentlich Komponenten aus der falschen Library querverknüpft werden, was später zu Fehlermeldungen beim Löschen von Dateien führt.

2. Erschwerte Auffindbarkeit & „Library-Fatigue“

Wo ein Monolith durch Einfachheit glänzt, verwirrt ein verteiltes System neue Teammitglieder oft.
  • Onboarding-Hürde: Designer müssen erst lernen, welche der 5-10 Bibliotheken sie für welche Aufgabe aktivieren müssen. Ohne eine klare Dokumentation in Figma-Projekten suchen Nutzer oft vergeblich nach dem „einen Button“, der in einer Unter-Library versteckt ist.
  • Overhead beim Setup: Jede neue Design-Datei muss manuell mit den richtigen Bibliotheken verknüpft werden, was bei vielen Einzel-Files Zeit kostet.

3. Wartungsaufwand für die Library-Architektur

Ein modulares System erfordert eine aktive „Gärtner-Rolle“ (Design Ops).
  • Versionierung: Da Figma kein natives Version-Control-System wie Git für Datei-Abhängigkeiten hat, ist es schwer nachzuvollziehen, welche Version der Core Components gerade auf welcher Version der Foundations basiert.
  • Synchronisation von Tokens: Wenn Variablen über Tools wie Tokens Studio oder die Figma API synchronisiert werden, steigt die Fehleranfälligkeit bei der Verteilung auf mehrere Ziel-Dateien.

4. Risiko der Inkonsistenz (Fragmentierung)

Durch die Trennung der Dateien arbeiten Designer oft in „Silos“.
  • Double-Work: Wenn ein Team in seiner lokalen Pattern-Library eine Komponente baut, die eigentlich in die globale Core-Library gehört, entstehen schnell Redundanzen.
  • Visuelle Drift: Ohne einen sehr strengen Governance-Prozess entwickeln sich die Bibliotheken oft unbemerkt auseinander, da der schnelle visuelle Vergleich zwischen den Dateien fehlt.
  • Abhängigkeiten: Da Bibliotheken aufeinander verweisen (z. B. Buttons nutzen Farben aus der Foundation-Library), müssen Updates in der richtigen Reihenfolge veröffentlicht werden.
  • Komplexität im Setup: Das initiale Aufsetzen erfordert eine saubere Planung der Naming Conventions und Verknüpfungen.

Planst du gerade den Umstieg von einer Single-File-Lösung auf ein modulares System für ein bestimmtes Projekt? Dann schreibe mir, welche Aspekte für dich wichtig sind.

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Über den Autor

UX Designer | Product Designer (Digital) | B2B | B2C | User Experience Design | Freelance Consultant

Hier schreibt Ingo Förster, UX-Professional und -Stratege über User Experience-Design. User-Interface-Design, Web-Design & Programmierung, manchmal auch über Online-Marketing und alles was zum täglichen Brot eines UXlers gehört.

Ingo hat durch seine selbständige Tätigkeit viel Erfahrung in zwei Hauptbereichen sammeln können. Zum einen in im weiteren Sinne Interaction Design mit allen Disziplinen, angefangen mit Grafischer Gestaltung für Web, Programmierung von Internet-Auftritten mit Typo3, Wordpress oder Magento eCommerce und Usability-Konzepten für Touch-Bedienung. Randbereiche wie SEO und Online-Marketing wurden regelmäßig bearbeitet.

Ingo interessiert sich für Webtechnologien, Touch-UIDs und erleichterte Bedienverhältnisse in Software. Ingo ist im Bereich Multimedia lehrend tätig gewesen.